Kultur verbindet – 60 Jahre Kunstverein

Begeisterten das Publikum beim Festakt des Kunstvereins im Landratsamt: das Humperdinck Orchester unter der Leitung von Florian Streich (Mitte). Fotos: ML

Seit sechs Jahrzehnten steht der Kunstverein Hofheim für ein vielfältiges kulturelles Angebot, das Mitglieder, die Stadt und darüber hinaus Interessierte miteinander verbindet. Anlässlich dieses besonderen Geburtstags lud der Verein seine Mitglieder, Freunde und Hofheimer Bürgerinnen und Bürger zu einem festlichen Jubiläumsfest in den Plenarsaal des Landratsamtes ein.

Hielt die Festrede: die 1. Vorsitzende Birgit Müller-Muth.

Der Festakt begann mit den Grußworten und einer Festrede der 1. Vorsitzenden Birgit Müller-Muth, die eindrucksvoll die Entwicklung der letzten zehn Jahre Revue passieren ließ und Projekte sowie Programmschwerpunkte vorstellte. Bürgermeister Wilhelm Schultze gratulierte dem Kunstverein zu seinem ehrenamtlichen Engagement und seinem hochkarätigen kulturellen Angebot in Literatur, Musik und Kunstvermittlung. Er hob die gute Zusammenarbeit mit der Stadt hervor und bekräftigte, den langjährigen „Kulturdialog“ weiterzuführen.

Will den Kulturdialog fortführen: Bürgermeister Wilhelm Schultze.

Die Kunsthistorikerin Marian Stein-Steinfeld würdigte in ihrer Begrüßung die Wandlung und Beständigkeit des Vereins und regte an, weiterhin die Museumsleitung in die Kooperation einzuladen – so wie es bei der Gründung der Institutionen vorgesehen war. Im Anschluss an die offiziellen Worte lud der Umtrunk dazu ein, Kontakte zu vertiefen, alte Bekanntschaften zu erneuern und neue Begegnungen zu knüpfen.

Das festliche Geburtstagsständchen wurde vom jungen Humperdinck-Orchester des Dr. Hoch’s Konservatoriums Frankfurt unter der Leitung von Florian Streich dargeboten. Die Ouvertüre „Die Hebriden“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy und die Sinfonie in D-Dur von Joseph Haydn fanden begeisterten, lang anhaltenden Applaus.

Gelegenheit zum Austausch bot sich den Gästen beim festlichen Buffet.

Eine umfangreiche Jubiläumsschrift würdigt das kulturelle Angebot der vergangenen zehn Jahre. Mit vielen Beiträgen und bunten Fotos spiegeln die Seiten die Vielfalt der Programme wider und versammeln Glückwünsche von Mitgliedern, Künstlerinnen und Künstlern, die in dieser Zeit Teil des Kunstvereins waren. Alle Gäste wurden außerdem zu einem festlichen Buffet in das Foyer des Landratsamts eingeladen, in dem sich zwischen den Kunstwerken der aktuellen Ausstellung Raum zum Austausch, Kennenlernen und zum Wiedersehen bot.

Der Kunstverein Hofheim bedankt sich herzlich bei allen Unterstützerinnen und Unterstützern, Künstlerinnen und Künstlern sowie bei der Stadt, dem Landratsamt und allen Beteiligten für das gemeinsame Engagement. Auf weitere inspirierende Jahre voller Begegnungen, Entdeckungen und gemeinsamer Kultur – denn Kultur verbindet. Barbara Dohm

Blick hinter die Kulissen einer Ausstellung

Eine Kuratorin bei der Auswahl der Werke. Der Behälter mit Gummibärchen dient dabei als Indikator für die Stimmung und den Stresslevel im Team. Foto: Sieglgänsberger

Am 26. Februar 2026 nahm Dr. Roman Zieglgänsberger das Publikum im vollbesetzten Stadtmuseum mit auf seine Planungsreise – von der ersten Idee bis zur feierlichen Ausstellungseröffnung. „Wie entsteht eine Ausstellung und welche Faktoren sind zu beachten?“

Unterstützt durch eine Auswahl von Fotografien aus den einzelnen Vorbereitungsphasen, schilderte der Kurator die vielschichtigen Schritte, die hinter einer Ausstellung stehen: Konzeptentwicklung, Auswahl der Werke, Budget, Kooperationen, Logistik.

Die Idee zu einer neuen Ausstellung entsteht im Kopf. Planungszeiträume und Konzeption werden mit dem Team und dem Direktor besprochen. Leihgeber werden kontaktiert. Das Farbkonzept der Ausstellungsräumlichkeiten und die Architektur werden festgelegt. Die Termine mit Technikern, Ausstellungsspezialisten und Restauratoren werden geplant und fixiert.

Und dann kommen die Tage der „Wahrheit“. Geht das Konzept auf? Wirken die Werke und Objekte im Zusammenspiel so, wie geplant? Ist zum Beispiel auf einmal der Rahmen eines Bildes größer oder kleiner, und wird dadurch die Wahrnehmung der einzelnen Objekte irritiert? Dann sind kurzfristig Umplanungen notwendig.

Und jetzt kommen die Gummibärchen ins Spiel: Bei jeder Ausstellungseinrichtung stehen Gläser gefüllt mit Fruchtgummis in den Räumen. An der Füllung erkennt der Kurator, wie die Stimmung respektive der Stresspegel im Team ist. Je problemloser, desto mehr Bärchen bleiben übrig.

Dr. Zieglgänsberger fesselte die Zuhörerinnen und Zuhörer mit seinen Erläuterungen und musste im Anschluss noch viele Fragen beantworten. Eine rundum gelungene Veranstaltung. CP

Über Zeit, Beziehung und verbindende Linien

Die Teilnehmer des Podiumsgesprächs: Von links Sabine Dächert, Gunda Lindner, Doris Bardong, Moderator Pascal Heß, Regina Streitenfeld, Veronica Aguilera Carrasco und Kai Wolf. Foto: Schröter

Fünf Künstlerinnen und ein Künstler kamen im Rahmen der 3. Taunus Kunst Triennale zu einem Podiumsgespräch zusammen. Moderiert vom Kunsthistoriker Pascal Heß, bot der Abend nicht nur Einblicke in die einzelnen künstlerischen Positionen, sondern eröffnete auch überraschende Verbindungen zwischen den sehr unterschiedlichen Werken der Ausstellung.

In einem feinfühlig geführten Gespräch arbeitete Heß zwei zentrale Motive heraus, die sich wie ein roter Faden durch die Arbeiten der Anwesenden ziehen: Zeit und Beziehung. Trotz unterschiedlicher Medien, Materialien und formaler Ansätze erwiesen sich diese Themen als gemeinsamer Resonanzraum.

Die Konzeptkünstlerin Veronica Aguilera Carrasco lotet in ihren Werken “Cabriole Legs” und “Handschuh in Kette” die Dimensionen von Zeit und Raum aus. Über die Grenzen des jeweiligen Werkstoffs hinaus verweisen ihre Arbeiten auf die Verletzlichkeit von Beziehungen und deren zeitliche Bedingtheit. Transformation und Vergänglichkeit stehen auch im Zentrum der kinetischen Objekte von Kai Wolf. Aus Fundstücken wie einem Joch, Uhrenziffernblättern oder alten Keramikfiguren konstruiert, zeigen seine Arbeiten Zeit als aktiven, formenden Faktor.

Regina Streitenfelds textile Objekte rufen Assoziationen an die 1950er- und 1960er-Jahre hervor. Werke wie “Rossbeff und Bellkartoffel” oder “Amerika” scheinen persönliche Erinnerungen ebenso zu berühren wie ein kollektives Gedächtnis – was sich deutlich in den Reaktionen des Publikums spiegelte. Sprache erscheint in ihren Arbeiten als immaterielle Brücke.

Eine inhaltliche Ergänzung erfährt diese Position durch Gunda Lindners Werk “Le Morne”, das an die tragische Geschichte der Sklaven auf Mauritius erinnert. Aus Angst und aufgrund sprachlicher Missverständnisse stürzten sich viele von ihnen in den Tod. Lindners künstlerische Suche gilt der Form, mit der sich Beziehung – etwa zu einem persönlichen Gegenüber oder zu einem Gedicht – ausdrücken lässt.

Mit fotografischen Mitteln arbeiten Sabine Dächert und Doris Bardong. Dächert fängt in ihren Cyanotypien auf Seide (“Von Hand zu Hand”) die individuellen Handlinien von Familienmitgliedern und Freunden ein. So entsteht ein visuelles Netzwerk aus Nähe, Erinnerung und Verbindung. Auch hier zeigt sich erneut das Motiv der Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Daran knüpft Doris Bardong mit ihrem Werk “Asphaltlinien” an: Fotografisch festgehaltene Bitumenlinien auf Gehwegen und Straßen fügt sie zu einer durchgehenden, von Brüchen geprägten Linie zusammen. Sie erzählen von Gebrauch, Abnutzung und der ständigen Anstrengung, Funktion aufrechtzuerhalten.

Wer dem Gespräch aufmerksam folgte, konnte am Ende erkennen, wie Pascal Heß die zunächst disparat wirkenden künstlerischen Positionen zu einem dichten Beziehungsgeflecht verwoben hatte – ganz im Sinne des Ausstellungsthemas “Über Brücken”. Im Anschluss nutzte das Publikum die Gelegenheit, die Ausstellung erneut zu besuchen oder bei einem Glas Wein und Häppchen weiter zu diskutieren. (BMM)