Kunsthalle Mannheim ein faszinierender Ort

Umhüllt von einem filigranen Metallgewebe: die 2017 eröffnete Neubau der Kunsthalle Mannheim. Fotos: Kunsthalle Mannheim (3), R. Schmidt

Die Meinung war einhellig: Es war schön, in Corona-Zeiten endlich wieder eine Kunstreise durchzuführen, wenn auch „nur“ als Tagesfahrt. Und ebenso ausnahmslos war die Begeisterung der mitfahrenden Kunstvereinsmitglieder über die Kunsthalle Mannheim, die als Ziel der Busreise vorgesehen war.

Die Museumsführung fand natürlich Corona-gerecht mit Masken statt.

Allein schon architektonisch beeindruckte der Bau, auch wenn er auf den ersten Blick am schönsten Platz Mannheims fast sogar wie ein Fremdkörper wirkt. Der Komplex umfasst Hermann Billings Jugendstil-Bau von 1907 auf der Rückseite sowie den 2017 fertiggestellten Hector-Bau des Hamburger Büros gmp (von Gerkan, Marg und Partner). Zwei Architekturen für programmatische Museumskonzepte, wie sie unterschiedlicher nicht sein können: lichtdurchflutet, zeitlos, offen und urban der Neubau zum Friedrichsplatz hin, umhüllt von einem filigranen Metallgewebe; plastisch ausdrucksstark und stattlich der Jugendstil-Bau aus rotem Mainsandstein am Skulpturenplatz.

Monumentale Werke von Anselm Kiefer: Die Installation „Der verlorene Buchstabe“ und das Gemälde „Der fruchtbare Halbmond“.

Imponierend allein schon der Startpunkt der Museumführungen: ein zentrales, 22 Meter hohes Atrium, auf drei Ebenen umgeben von sieben, als Kuben bezeichnete Ausstellungsbereiche. Eine Stadt in der Stadt, angefüllt mit Kunst aus zwei Jahrhunderten und innovativen digitalen Überraschungen. Zu den Höhepunkten der Führung gehörten gewiss das Manet-Gemälde „Die Erschießung Kaiser Maximilians von Mexiko“, die großformatigen Werke von Anselm Kiefer oder die Video-Raum-Installation des südafrikanischen Künstlers William Kentridge.

Das Gemälde „Der Tod und die Masken“ von James Ensor.

Und natürlich auch im Jugendstil-Bau die noch bis zum 3. Oktober geöffnete Ausstellung, die das Werk des belgischen Künstlers James Ensor (1860-1949) zeigt. Der „Maler der Masken“ ist tief in der Geschichte der Kunsthalle Mannheim verwurzelt, wurde dort bereits 1928 in einer Einzelausstellung als bedeutender zeitgenössischer Ausnahmekünstler gefeiert. Nun widmet die Kunsthalle James Ensor erneut eine große Ausstellung, in deren Zentrum das Schicksal eines Bildes steht, das einst zur Sammlung des Museums gehörte: Das Gemälde „Der Tod und die Masken“ wurde 1937 von den Nationalsozialisten als „entartet“ beschlagnahmt und befindet sich heute im Musee des Beaux-Arts Lüttich. Anlässlich der Ausstellung kehrt es temporär nach Mannheim zurück. 

Nach einem gemütlichen Ausklang im Kunsthallen-Café Luxx mit regem Erfahrungsaustausch ging es am Nachmittag im Bus wieder zurück nach Hofheim – in der Gewissheit, einen faszinierenden Begegnungsort kennengelernt zu haben, und dies mit Hartmut Hahn auch einem perfekten Organisator zu verdanken.

Tolle Einblicke ins Roederstein-Haus

Blick vom Garten aus auf das Roederstein-Haus.

An zwei Samstagsnachmittagen im August war der Kunstverein Gast im Haus Roederstein. Das Besitzerehepaar, Prof. Dr. Mark Wahrenburg und seine Ehefrau Vera Wormuth-Wahrenburg, begrüßten die Gäste und bereiteten ihnen einen herzlichen Empfang. Alle Teilnehmer fühlten sich auf Anhieb willkommen.

Nach einer ebenso kenntnis- und detailreichen wie auch kurzweiligen Präsentation, bei der Mark Wahrenburg auf die Biografie von Ottilie Roederstein, die Geschichte des Gebäudes, den Zustand beim Erwerb durch die jetzigen Eigentümer und die Stationen der behutsamen Renovierung einging, bestand Gelegenheit zur Besichtigung der Räumlichkeiten und des Gartens, der ebenfalls in den ursprünglichen Zustand wiederhergestellt wird.

Die Eheleute nahmen sich viel Zeit, alle Fragen zu beantworten und die eine oder andere Anekdote zu erzählen. Zwei rundum gelungene und erfüllte Nachmittage. Der Kunstverein sagt herzlich Dankeschön.

Applaus für packende Wortwechsel

Moderator Jan Cönig (rechts) und die vier Poetry-Slammer bei „Vorsicht! Wortwechsel“ im Wasserschloss.

Die Beiträge über Heimatverbundenheit und das Gefühl einer Frau nachts auf dem Heimweg brachten Lea Weber den Sieg beim Open-Air-Poetry-Slam im Wasserschloss ein. Es war eine knappe Entscheidung im Finale zwischen ihr und Natalie Friedrich, die besonders für ihren Text über ein schmuddeliges Reclamheft, das verloren in einer Pfütze lag, viel Beifall einheimste. Aber auch Lenny Felling und Stefan Unser wussten mit packenden und amüsanten Vorträgen die Aufmerksamkeit des Publikums zu binden.

Die Siegerin Lea Weber (vorn) und die Finalistin Natalie Friedrich. Fotos: ML

Die Veranstaltung „Vorsicht! Wortwechsel“ wurde zum zweiten Mal im Rahmen des Kreisstadtsommers durchgeführt, veranstaltet von der Hofheimer KulturWerkstatt gemeinsam mit dem Kunstverein und der Stadtbücherei. Die Corona-bedingt luftigen Stuhlreihen waren voll besetzt, und das nicht mit Applaus sparende Publikum fungierte zugleich auch als Jury. Gewohnt souverän führte Moderator Jan Cönig durch das Programm, bewies als mehrfacher Hessenmeister und Bronzemedaillengewinner der deutschsprachigen Meisterschaften im Poetry Slam aber auch mit seinem Text „Mutter bei die Fische“, dass er ein Meister seines Fachs ist.