Helga Schubert und der letzte Satz

Ein humorvoller Abend mit Autorin Helga Schubert (rechts) und Moderatorin Birgit Müller-Muth. Foto: ML

„Ich beginne jede Geschichte mit dem letzten Satz“, verriet die Bachmann-Preisträgerin Helga Schubert den Zuhörerinnen und Zuhörern in der gut besuchten Stadthalle, wo sie aus ihrem preisgekrönten Buch „Vom Aufstehen“ las. In ihren sorgsam komponierten Erzählungen, in denen sie Begebenheiten aus ihrem Leben während des Krieges, in der DDR und in der Zeit danach schildert, stellte sie das eindrücklich unter Beweis.

Spontan las sie die von der Moderatorin Birgit Müller-Muth vorgeschlagenen Texte vor: Kindheitserinnerungen spielten eine Rolle, Reisefreiheit für Schriftstellerinnen und Schriftsteller sowie die Bedeutung von besonderen Sätzen als Kraftquelle in einem oft schwierigen Alltag. In der Erzählung über die Ereignisse des 9. November 1989 dokumentierte Helga Schubert auf bewegende Weise die Öffnung der Mauer – von der „anderen Seite“ aus erlebt.  

Dass sie voller Humor und ohne Verbitterung auf ihr Leben schauen kann, zeigte sich in zahlreichen Anekdoten, die sie ergänzte. Ein wenig wie Till Eulenspiegel habe sie sich verhalten, fasste sie ihre Beziehung im Umgang mit den Behörden der ehemaligen DDR zusammen. Die Lacher hatte sie auch in der Stadthalle auf ihrer Seite. Zugleich ließ sie keinen Zweifel daran, dass für sie nur eine offene Gesellschaft, in der Demokratie und Meinungsfreiheit herrschen, erstrebenswert sei.

Beeindruckende Geschichten von einer bemerkenswerten Frau. (BMM)

Rockende Blockflöten

Die ungewöhnliche Instrumenten-Kombination der Band Spark: Flügel, Cello, Geige und zwei Blockflöten. Foto: ML

Es war ein ganz besonderer Musikgenuss, den das begeisterte Publikum im Landratsamt mit Standing Ovations feierte: Spark, die klassische Band, erzeugte mit ihrem Programm “Bach Berio Beatles” eine unglaubliche Energie auf der Bühne. Auf spannende und mitreißende Weise gelang es dem Ensemble, die unterschiedlichen Musikstile meisterhaft zu verbinden.

Die fünf Musiker und Musikerinnen zeigten ihr ganzes Können auf verschieden Instrumenten und bewiesen eindrucksvoll, dass virtuos gespielte Blockflöten in allen möglichen Größen und Melodica modern und “cool” klingen können und im Zusammenspiel mit Flügel, Cello und Geige einen voll besetzten Saal, egal ob mit Bach oder Beatles, rocken können. Dazu die charmant-witzige Moderation von Daniel Koschitzki – ein rundum gelungener Konzertabend. CS/ML

Unsagbares sagbar machen

Prof. Tilman Allert erläutert den künstlerischen Werdegang von Joseph Beuys.
Prof. Tilman Allert erläutert den künstlerischen Werdegang von Joseph Beuys. Foto: ML

Prof. Tilmann Allert, Soziologe an der Universität Frankfurt, näherte sich dem Künstler Joseph Beuys, der im letzten Jahr hundert Jahre alt geworden wäre, auf ungewöhnliche, aber höchst spannende Weise.

Den Schlüssel für sein Künstlerportrait lieferte die Soziologie Max Webers, der sich jenseits seiner Forschungen zu Verwaltung, Bürokratie und rationaler Ordnung auch mit der Kunst beschäftigte. Anhand des Weberschen Dreigestirns : Zauberer, Priester und Prophet , die sich auch gerne gegenseitig ins Gehege kommen, erläuterte er den künstlerischen Werdegang  von Beuys vom bildenden Künstler über den Hochschullehrer bis zum politischen Agitator. Dass Beuys in allen drei Stationen seiner Karriere immer wieder sein Publikum provozierte, steht fest; nach Tilmann Allert waren diese Provokationen eher nicht strategisch geplant, sondern authentische Aktionen. Kunst habe die Aufgabe, Unsagbares sagbar zu machen.

Der Künstler Beuys polarisiert immer noch, wie man den Beiträgen aus dem Publikum entnehmen konnte. Bei einigen entstand der Wunsch, im Landesmuseum Darmstadt (noch einmal) die Konfrontation mit dem Werk zu wagen. (ASS)