Beobachtungen im Zwischenraum

Schauspieler und Sprecher Helge Heynold trägt Texte der Schriftstellerin Marie Luise Kaschnitz vor, über die Moderatorin Birgit Müller-Muth kenntnisreich informierte. Foto: ML

Anlässlich des Festivals „Frankfurt liest ein Buch“ fand im nahezu ausgebuchten Stadtmuseum eine Lesung mit Texten von Marie Luise Kaschnitz statt. Die meisten Zuhörerinnen und Zuhörer kannten Kaschnitz noch als eine der bedeutendsten Schriftstellerinnen der Nachkriegszeit. Während ihre Gedichte oder Erzählungen in den 80 Jahren noch Schullektüre waren, ist die Autorin heute weitgehend in Vergessenheit geraten.

Moderatorin Birgit Müller-Muth skizzierte die wichtigsten biografischen Stationen der Schriftstellerin und ergänzte sie durch weitere zeitgenössische Quellen kenntnisreich.

Besonders interessant für das Hofheimer Publikum war der Bezug von Kaschnitz zu Hanna Bekker vom Rath. Mehrfach war sie zu Lesungen im Frankfurter Kunstkabinett eingeladen (1947 und 1949). Müller-Muth teilte auch ihre Erkenntnisse aus Recherchen im Marbacher Literaturarchiv: Im Nachlass Kaschnitz’ finden sich zwei Fotostrecken der Fotografin Marta Hoepffner, deren Schule für Fotografie in Hofheim ansässig war. Mit einem Augenzwinkern blieb Raum für die Fantasie: Haben sich die gut vernetzten Künstlerinnen vielleicht auch im Blauen Haus getroffen?

Der Schauspieler und Sprecher Helge Heynold trug die Texte mit einem Duktus vor, der den Gedanken von Kaschnitz’ Werken einen berührenden Ausdruck verlieh. Er las unter anderem ein Gedicht über die zerstörte Alte Oper aus dem Jahr 1946 – ein Bild, das vielen Zuhörerinnen und Zuhörern nicht nur die damalige Zerstörung Frankfurts, sondern auch die „schönste Ruine Deutschlands“ ins Gedächtnis rief, die 30 Jahre mitten in Frankfurt thronte. Ebenso bewegend waren die Erinnerungen an die Suche des Ehepaars Kaschnitz nach ihrer Tochter nach einem Bombenangriff. Abgerundet wurde der Abend mit Kaschnitz’ persönlichster Erzählung „Das dicke Kind“, deren Schmerzlichkeit das Publikum sichtlich bewegte. Als Zugabe rundete das Gedicht „Morgen“ mit einer heiteren Stimmungsnote den Abend ab.

Eine gute Anregung, einmal wieder ein Buch von Marie Luise Kaschnitz in die Hand zu nehmen. BMM

Kultur verbindet – 60 Jahre Kunstverein

Begeisterten das Publikum beim Festakt des Kunstvereins im Landratsamt: das Humperdinck Orchester unter der Leitung von Florian Streich (Mitte). Fotos: ML

Seit sechs Jahrzehnten steht der Kunstverein Hofheim für ein vielfältiges kulturelles Angebot, das Mitglieder, die Stadt und darüber hinaus Interessierte miteinander verbindet. Anlässlich dieses besonderen Geburtstags lud der Verein seine Mitglieder, Freunde und Hofheimer Bürgerinnen und Bürger zu einem festlichen Jubiläumsfest in den Plenarsaal des Landratsamtes ein.

Hielt die Festrede: die 1. Vorsitzende Birgit Müller-Muth.

Der Festakt begann mit den Grußworten und einer Festrede der 1. Vorsitzenden Birgit Müller-Muth, die eindrucksvoll die Entwicklung der letzten zehn Jahre Revue passieren ließ und Projekte sowie Programmschwerpunkte vorstellte. Bürgermeister Wilhelm Schultze gratulierte dem Kunstverein zu seinem ehrenamtlichen Engagement und seinem hochkarätigen kulturellen Angebot in Literatur, Musik und Kunstvermittlung. Er hob die gute Zusammenarbeit mit der Stadt hervor und bekräftigte, den langjährigen „Kulturdialog“ weiterzuführen.

Will den Kulturdialog fortführen: Bürgermeister Wilhelm Schultze.

Die Kunsthistorikerin Marian Stein-Steinfeld würdigte in ihrer Begrüßung die Wandlung und Beständigkeit des Vereins und regte an, weiterhin die Museumsleitung in die Kooperation einzuladen – so wie es bei der Gründung der Institutionen vorgesehen war. Im Anschluss an die offiziellen Worte lud der Umtrunk dazu ein, Kontakte zu vertiefen, alte Bekanntschaften zu erneuern und neue Begegnungen zu knüpfen.

Das festliche Geburtstagsständchen wurde vom jungen Humperdinck-Orchester des Dr. Hoch’s Konservatoriums Frankfurt unter der Leitung von Florian Streich dargeboten. Die Ouvertüre „Die Hebriden“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy und die Sinfonie in D-Dur von Joseph Haydn fanden begeisterten, lang anhaltenden Applaus.

Gelegenheit zum Austausch bot sich den Gästen beim festlichen Buffet.

Eine umfangreiche Jubiläumsschrift würdigt das kulturelle Angebot der vergangenen zehn Jahre. Mit vielen Beiträgen und bunten Fotos spiegeln die Seiten die Vielfalt der Programme wider und versammeln Glückwünsche von Mitgliedern, Künstlerinnen und Künstlern, die in dieser Zeit Teil des Kunstvereins waren. Alle Gäste wurden außerdem zu einem festlichen Buffet in das Foyer des Landratsamts eingeladen, in dem sich zwischen den Kunstwerken der aktuellen Ausstellung Raum zum Austausch, Kennenlernen und zum Wiedersehen bot.

Der Kunstverein Hofheim bedankt sich herzlich bei allen Unterstützerinnen und Unterstützern, Künstlerinnen und Künstlern sowie bei der Stadt, dem Landratsamt und allen Beteiligten für das gemeinsame Engagement. Auf weitere inspirierende Jahre voller Begegnungen, Entdeckungen und gemeinsamer Kultur – denn Kultur verbindet. Barbara Dohm

Blick hinter die Kulissen einer Ausstellung

Eine Kuratorin bei der Auswahl der Werke. Der Behälter mit Gummibärchen dient dabei als Indikator für die Stimmung und den Stresslevel im Team. Foto: Sieglgänsberger

Am 26. Februar 2026 nahm Dr. Roman Zieglgänsberger das Publikum im vollbesetzten Stadtmuseum mit auf seine Planungsreise – von der ersten Idee bis zur feierlichen Ausstellungseröffnung. „Wie entsteht eine Ausstellung und welche Faktoren sind zu beachten?“

Unterstützt durch eine Auswahl von Fotografien aus den einzelnen Vorbereitungsphasen, schilderte der Kurator die vielschichtigen Schritte, die hinter einer Ausstellung stehen: Konzeptentwicklung, Auswahl der Werke, Budget, Kooperationen, Logistik.

Die Idee zu einer neuen Ausstellung entsteht im Kopf. Planungszeiträume und Konzeption werden mit dem Team und dem Direktor besprochen. Leihgeber werden kontaktiert. Das Farbkonzept der Ausstellungsräumlichkeiten und die Architektur werden festgelegt. Die Termine mit Technikern, Ausstellungsspezialisten und Restauratoren werden geplant und fixiert.

Und dann kommen die Tage der „Wahrheit“. Geht das Konzept auf? Wirken die Werke und Objekte im Zusammenspiel so, wie geplant? Ist zum Beispiel auf einmal der Rahmen eines Bildes größer oder kleiner, und wird dadurch die Wahrnehmung der einzelnen Objekte irritiert? Dann sind kurzfristig Umplanungen notwendig.

Und jetzt kommen die Gummibärchen ins Spiel: Bei jeder Ausstellungseinrichtung stehen Gläser gefüllt mit Fruchtgummis in den Räumen. An der Füllung erkennt der Kurator, wie die Stimmung respektive der Stresspegel im Team ist. Je problemloser, desto mehr Bärchen bleiben übrig.

Dr. Zieglgänsberger fesselte die Zuhörerinnen und Zuhörer mit seinen Erläuterungen und musste im Anschluss noch viele Fragen beantworten. Eine rundum gelungene Veranstaltung. CP