Im Atelier bei Heinz Wallisch

Heinz Wallisch in seinem Atelier in Langenhain. Foto: KV

Am 7. Oktober besuchten wir Heinz Wallisch in seinem Atelier in Hofheim-Langenhain. Der Künstler führte uns in die Kunst des Radierens ein. Er demonstrierte die einzelnen Vorgänge, von der Skizzierung auf der Kupferplatte bis zum Druck des fertigen Bildes. Auch unterschiedliche Techniken wie Strichätzung, Aquatinta und Farbradierung wurden uns erklärt.

In seinem Atelier konnten wir Beispiele seiner Arbeiten bewundern und teilweise in Form von Postkarten mit nach Hause nehmen. Es war für uns alle ein interessanter und eindrucksvoller Nachmittag. IB

Wortgewaltiges in der Güterhalle

Die Teilnehmer des Poetry Slams mit Moderatoren: Von links Mario el Toro, Robin Baumeister, Nora Solcher, Gewinner Anuraj Sri Rajarajendran, Antonia Josefa, Tim Kuppler und Jan Cönig. Foto: ml

Einiges war neu bei diesem Poetry-Slam, der von der Hofheimer Kulturwerkstatt in Kooperation mit dem Kunstverein veranstaltet wird und mittlerweile fast schon zur sommerlichen Tradition geworden ist. Zum Beispiel das ganze Drumherum, das sich durch den zwangsweisen Umzug vom Alten Wasserschloss in die ehemalige Güterhalle am Bahnhof ergab, obwohl von dem großspurig angekündigten Umbau am Wasserschloss bis dato nichts zu sehen war – wir kennen das ja: “Hofem – Schlofem”. Der Poetry Slam wurde aber auch in der neuen Umgebung, in der sich fast 200 Zuschauer drängten, nicht zuletzt dank der Taunus Braumanufaktor, die für die Bewirtschaftung sorgte, ein voller Erfolg.

Neu war auch, dass Slammer-Urgestein Jan Cönig diesmal bei der Moderation von Robin Baumeister unterstützt wurde. Und hätten die beiden mit ihren zum Besten gegebenen Kostproben an einem Duett-Wettstreit teilgenommen, wäre ihnen der Platz auf dem obersten Siegertreppchen wohl kaum streitig gemacht worden. Was sich an der Lautstärke des Applauses ablesen ließ.

Ebenfalls neu war, dass diesmal fünf statt bisher vier Teilnehmer am wortgewaltigen Wettbewerb teilnahmen – allerdings, und das wiederum war nicht neu, in altbewährter Qualität. Ja, die Slammer machten es dem Publikum beim Bewerten diesmal sogar besonders schwer. Mit subtilem Wortwitz und ungewöhnlichen Formulierungen verband etwa Antonia Josefa politische und gesellschaftliche Kritik mit Sprachkunst und hätte ebenso gewinnen können wie Nora Solcher mit ganz ähnlichen Themen.

Lustiger ging es bei Mario el Toro mit seinem Lamento über Urlaub an der Nordseeküste zu, und Tim Kuppler trug schlaue und hörenswerte Gedanken über Internet-Bots und den Wert gemeinschaftlicher Ereignisse wie eines Poetry-Slams vor.

Am Ende gewann nach zwei Runden Anuraj Sri Rajarajendran mit anrührenden Vortrag über „echte Männer“, in die der verdiente Sieger auch seine persönliche Geschichte verpackte. ML

Neugier, Mut und Abenteuer

Frau Dr. Siemer (links) erläuterte die besonderen Sichtweisen der Fotografinnen. Foto: CP

19 Interessierte waren der Einladung des Kunstvereins gefolgt und reisten am 4. Juni zu den Internationalen Tagen Ingelheim, um zu erleben, welche Motive Fotografinnen im Laufe von 100 Jahren auf ihren Reisen festgehalten haben. 21 Fotografinnen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz waren mit über 170 Schwarz-Weiß- und Farbfotografien aus der Zeit der 1920er Jahre bis in die Gegenwart in drei Ausstellungsschwerpunkten vertreten.

Unsere Begleiterin durch die Ausstellung, Frau Dr. Siemer, vermittelte anhand der frühesten Exponate, wie sich die professionell ausgebildeten Fotografinnen im Auftrag zahlreicher Verlage emanzipiert, selbstbestimmt und unabhängig allein auf Reisen begaben und unter teils beschwerlichen Bedingungen ihre exotisch wirkenden Bilder von fernen Ländern in die Wohnzimmer der Zeitschriftenleser brachten, zu einer Zeit, als es noch keinen Pauschaltourismus gab.

Beeindruckend auch der zweite Schwerpunkt mit Fotografien, die historische Stätten oder Städte im Wandel dokumentierten – oftmals bedroht durch Krieg, Umweltzerstörung oder Klimawandel.

Welche Formen freier künstlerischer Projekte wählen Fotografinnen? Experimente mit den technischen Möglichkeiten und serielle Fotografie bildeten den dritten Ausstellungsschwerpunkt.

Ob schwarzweiß oder farbig, analog oder digital, kleines oder großes Format, Portrait oder Natur, Dokumentation oder Interpretation durch Nachbearbeitung – alle Techniken, Formate und Inhalte waren vertreten. Gibt es eine weibliche Kameraperspektive? Das bleibt der Betrachterin und dem Betrachter überlassen zu beurteilen. Sicher ist, dass der Titel der Ausstellung „Neugier, Mut und Abenteuer“ die individuelle Bildsprache und Kreativität der Künstlerinnen treffend widerspiegelt.

Frau Dr. Siemer verstand es, die besonderen Sichtweisen der Fotografinnen zu erläutern, den Blick auf Details zu lenken und die einzelnen Persönlichkeiten vorzustellen. Und plötzlich sah mancher die Werke anders, sah mehr, sah neu. Dies war das einhellige Fazit der Besucherinnen und Besucher. BMM/CP