Starke Frauen in der Romantik

Die Musikerinnen des Clara-Schumann-Trios und Vorleserin Lisa Straßberger wechselten sich mit ihren Vorträgen ab. Fotos: ML

 „Nichts soll meine Schritte fesseln“ – Der Ausruf von Karoline von Günderrode erweckte das Interesse von rund 100 Zuhörerinnen und Zuhörer, die in den Malersaal der Stadthalle Hofheim kamen, um einer Konzertlesung zu lauschen, die Texte von Schriftstellerinnen mit Musik von Komponistinnen der Romantik verband. Auf der Bühne traten Lisa Straßberger als Vorleserin der Texte und das Clara-Schumann-Trio mit Katrin Ebert, Uta Kempkes und Monika Vetter auf.

Lisa Straßberger las aus Briefen von Karoline von Günterrode und Annette von Droste-Hülshoff.

In einer durchdachten Dramaturgie wechselten sich Auszüge aus Briefen Bettine Brentanos und Gedichte von Karoline von Günderrode sowie Annette von Droste-Hülshoff ab mit musikalischen Sätzen der Klaviertrios von Clara Schumann (opus 17 in g-moll) und Fanny Hensel (opus 11 in d-moll). Überaus klug war die Bitte der Künstlerinnen zu Veranstaltungsbeginn, erst nach einem vollständigen Vortragsteil zu applaudieren. So gewann die Verbindung von Musik und Text eine besondere Intensität.

Beispiele aus dem Programm zeigten die Tiefe der Bezüge: Die Originalität des 2. Satzes von Clara Schumanns Trio spiegelte den heiteren, unbeschwerten Ton aus Bettine Brentanos Briefen wider. Im Finale von Fanny Hensels Klaviertrio ließ sich die Sehnsucht aus dem „apokalyptischen Fragment“ von Karoline von Günderrode nachempfinden, wurden die dem Meer entsteigenden Wesen nahezu sichtbar.

Das Clara-Schumann-Trio mit Katrin Ebert (von links), Monika Vetter am Flügel und Uta Kempkes.

Zwischen der Vorleserin und den Musikerinnen herrschte eine spürbare Präsenz, die genügend Raum für jede Darbietung ließ. Die Musikerinnen zeigten eine Verbundenheit im gemeinsamen Spiel, die ihre gegenseitige Abstimmung sowie Freude am Musizieren deutlich erkennen ließ. Die Zuhörerinnen und Zuhörer ließen sich von der intensiven Bühnenpräsenz sowie dem harmonischen Zusammenspiel mitreißen und bedankten sich mit ausgiebigem Applaus.

Der Abend zeigte eindeutig, dass die beiden Komponistinnen den männlichen Kollegen ihrer Epoche in jeder Hinsicht ebenbürtig waren – und dass auch schreibende Frauen in der Romantik ebenso beeindruckten wie ihre männlichen Gegenüber. BMM