STEINBILDHAUER-SYMPOSIUM 2013

Fünf Skulpturen für die Hofheimer Innenstadt

Steinbildhauer Symposium 2013 Die Idee, in Hofheim ein Bildhauersymposium durchzuführen, hatte zuerst die Hofheimer Bildhauerin Ingrid Hornef. Das war 2006. Nur wenig später schlug der Kunstverein der Stadt vor, Kellerei- und Chinonplatz, deren Neugestaltung damals geplant wurde, durch Kunst aufzuwerten. Beide Ideen fanden zusammen und es gelang schließlich, die Stadt von dem Vorhaben zu überzeugen. Der Kunstverein übernahm die Organisation, Ingrid Hornef wurde künstlerische Leiterin.

 

 

 

 

Im August 2013 war es so weit: Fünf renommierte Künstler gingen vier Wochen lang auf der Wiese neben dem Rathaus ans Werk und schufen markante Arbeiten, die heute vom Meidnerplatz bis zum Rathaus die Hofheimer Innenstadt bereichern.

 

Anknüpfen an die Hofheimer Kunsttradition

Was wollten die Initiatoren mit dem Symposium erreichen? Die vor allem durch Hanna Bekker vom Rath im 20. Jahrhundert begründete Kunsttradition Hofheims sollte nicht nur in der Rückschau im Museum gepflegt, sondern – für jedermann zugänglich – mit zeitgenössischer Kunst im öffentlichen Raum fortgeführt werden. Die Innenstadt Hofheims, in der es bis dahin keine nennenswerte Kunst im öffentlichen Raum gab, sollte durch die Werke zeitgenössischer Künstler aufgewertet werden. Durch das Miterleben ihres Entstehens sollten die Menschen in der Stadt, nicht zuletzt ihre Jugend, auf leichte Weise an moderne Kunst herangeführt werden. Mit Freude kann ich sagen: Diese Ziele wurden erreicht.

Von Skulptur zu Skulptur

Eine kleine Wanderung führt uns zuerst vor die „Rathausaufstockung“. Hier steht Ulrich Hochmanns Arbeit „In Hofheim wird das Rad erfunden“. Was der Künstler aus dem zwei Tonnen schweren Block aus Nagelfluh (ein Sedimentgestein aus den oberbayerischen Voralpen) gemacht hat, überzeugt durch seine gelungene Synthese aus Form und Material.

Ein paar Schritte weiter finden wir vor dem Rathaus die Skulptur „Change me“ von Ingrid Hornef. Die Hofheimerin hat zwei große, in den Maßen gleiche Formen aus pfälzischem Sandstein geschaffen. Ihre Idee ist, die beiden Teile immer wieder neu zu kombinieren. Viele Varianten sind möglich. Wir sind gespannt!

Auf dem Kellereiplatz begegnen wir zunächst der Skulptur „Abgehakt“ von Thomas Reifferscheid. Der eindrucksvolle, symbolträchtige Haken aus südschwedischem Gneis steht mit seiner Eleganz in schönem Kontrast zu den alten Bruchsteinmauern des Wasserschlosses. Die heruntergekommene Garagenzeile auf der anderen Seite wird hoffentlich bald verschwinden.

 

 

 

 

Unweit hiervon, an der Seite des Kellereigebäudes, haben wir „Towards“ der Italienerin Emanuela Camacci platziert. Der Aufstellungsort für die eher zierliche Arbeit ist ein Kompromiss. Die schöne schwingende Arbeit aus grünem Kalkstein kommt hier nicht optimal zur Geltung. Vielleicht findet sich bei der endgültigen Gestaltung des Kellereiplatzes noch ein besserer Ort.

 

 

 

 

Schließlich erreichen wir auf den Stufen des Stadtmuseums „Flow“. Die zweiteilige Arbeit von MIchaela Biet besteht aus Carrara-Marmor und Kupfer. Die harmonisch stilisierte Amphore soll an die lange Geschichte Hofheims erinnern. Der kupferne „Fluss“ wird durch Patina noch gewinnen.

 

 

 

 

 

„Die Skulpturen müssen in Hofheim bleiben“

Mit diesem Slogan haben wir um Spenden für den Ankauf der Skulpturen geworben. Denn mit den Künstlern war vereinbart, dass die fertigen Arbeiten zunächst für fünf Jahre nur als Leihgaben in Hofheim stehen. Inzwischen konnten wir vier Skulpturen erwerben: „Flow“ von MIchaela Biet (das war schon in der Ausschreibung des Symposiums vorgesehen), „Abgehakt“ von Thomas Reifferscheid dank eines sehr großzügigen Zuschusses des Förderkreises Hofheimer Stadtmuseum, Ulrich Hochmanns „Rad“, das der Kunstverein anlässlich seines 50. Geburtstags mit Eigenmitteln finanziert hat und - ganz durch Spenden unserer Mitglieder ermöglicht - „Towards“ der Italienerin Emanuele Camacci. Alle Skulpturen schenken wir der Stadt, die sie der Kunstsammlung des Stadtmuseums zuführt.

Jetzt, im Frühjahr 2019, hoffen wir, dass wir auch noch Ingrid Hornefs „Change me“ recht bald erwerben können. Die eindrucksvolle Arbeit ist es wahrlich wert. Dazu bedarf es aber weiterer Spenden, zu denen ich natürlich auch an dieser Stelle aufrufe. Um es leichter zu machen hier das Konto:

Spendenkonto „Skulpturen für Hofheim“
bei der Taunus Sparkasse,
IBAN DE08 5125 0000 0002 2221 67.

Ein Resümee

Das Steinbildhauer-Symposium 2013 war das aufwändigste Einzelprojekt, das der Kunstverein in seiner 50-jährigen Geschichte angepackt hat. Allein die zeitliche Dimension: Fünf Jahre Überredungskünste und zwei Jahre intensive Vorbereitung, bis es endlich losging. Dann vier Wochen Staub und Lärm auf der Wiese neben dem Rathaus, wo bei der Finissage am 22. September 2013 unter großer Anteilnahme fünf gelungene Arbeiten präsentiert werden konnten. Danach die Aufstellung der Skulpturen in der Stadt und, bis heute und weiterhin, die Beschaffung der Mittel für ihren Ankauf. Zehn Jahre sind es schon jetzt.

Um viel Geld ging es auch. Bis zur Aufstellung der Skulpturen hat das Symposium rund 80.000 € gekostet. Zahlreiche großzügige Sponsoren und viele auch kleinere Spenden haben es möglich gemacht. Allen ist dafür zu danken, besonders aber der privaten Hofheimer Stiftung The Ginkgo Foundation, die nicht nur den größten, sondern auch den ersten Beitrag leistete und damit den Start erst möglich machte. Für den Ankauf der Arbeiten kommen noch einmal rund 50.000 € hinzu, von denen wir 30.000 € bereits aufgebracht haben. Das sind große Beträge, die das hohe ehrenamtliche Engagement nicht enthalten. Wer den Kunstmarkt kennt, weiß, das Hofheim durch das Symposium auf ausgesprochen preiswerte Weise zu von renommierten Künstlern geschaffenen Arbeiten gekommen ist.

Die entscheidende Frage ist: Hat sich das Symposium gelohnt? Da tritt der finanzielle Aspekt in den Hintergrund. Viel mehr kommt es darauf an, dass die Skulpturen bei den Menschen in Hofheim angekommen sind – und nicht nur bei denen, die besonders an Kunst interessiert sind. Dass das so ist, zeigte sich schon, während die Künstler an ihren Steinen arbeiteten, und es zeigte sich weiter bei der Finissage , die bei großem Andrang zu einem wunderbaren Fest wurde. Heute sind die Skulpturen im Hofheimer Stadtbild eine Selbstverständlichkeit. Was will man mehr?

Fotos: Reinhold Schultheiß, Peter Luyendyk, Herbert Fischer

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