
Fünf Künstlerinnen und ein Künstler kamen im Rahmen der 3. Taunus Kunst Triennale zu einem Podiumsgespräch zusammen. Moderiert vom Kunsthistoriker Pascal Heß, bot der Abend nicht nur Einblicke in die einzelnen künstlerischen Positionen, sondern eröffnete auch überraschende Verbindungen zwischen den sehr unterschiedlichen Werken der Ausstellung.
In einem feinfühlig geführten Gespräch arbeitete Heß zwei zentrale Motive heraus, die sich wie ein roter Faden durch die Arbeiten der Anwesenden ziehen: Zeit und Beziehung. Trotz unterschiedlicher Medien, Materialien und formaler Ansätze erwiesen sich diese Themen als gemeinsamer Resonanzraum.
Die Konzeptkünstlerin Veronica Aguilera Carrasco lotet in ihren Werken “Cabriole Legs” und “Handschuh in Kette” die Dimensionen von Zeit und Raum aus. Über die Grenzen des jeweiligen Werkstoffs hinaus verweisen ihre Arbeiten auf die Verletzlichkeit von Beziehungen und deren zeitliche Bedingtheit. Transformation und Vergänglichkeit stehen auch im Zentrum der kinetischen Objekte von Kai Wolf. Aus Fundstücken wie einem Joch, Uhrenziffernblättern oder alten Keramikfiguren konstruiert, zeigen seine Arbeiten Zeit als aktiven, formenden Faktor.
Regina Streitenfelds textile Objekte rufen Assoziationen an die 1950er- und 1960er-Jahre hervor. Werke wie “Rossbeff und Bellkartoffel” oder “Amerika” scheinen persönliche Erinnerungen ebenso zu berühren wie ein kollektives Gedächtnis – was sich deutlich in den Reaktionen des Publikums spiegelte. Sprache erscheint in ihren Arbeiten als immaterielle Brücke.
Eine inhaltliche Ergänzung erfährt diese Position durch Gunda Lindners Werk “Le Morne”, das an die tragische Geschichte der Sklaven auf Mauritius erinnert. Aus Angst und aufgrund sprachlicher Missverständnisse stürzten sich viele von ihnen in den Tod. Lindners künstlerische Suche gilt der Form, mit der sich Beziehung – etwa zu einem persönlichen Gegenüber oder zu einem Gedicht – ausdrücken lässt.
Mit fotografischen Mitteln arbeiten Sabine Dächert und Doris Bardong. Dächert fängt in ihren Cyanotypien auf Seide (“Von Hand zu Hand”) die individuellen Handlinien von Familienmitgliedern und Freunden ein. So entsteht ein visuelles Netzwerk aus Nähe, Erinnerung und Verbindung. Auch hier zeigt sich erneut das Motiv der Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Daran knüpft Doris Bardong mit ihrem Werk “Asphaltlinien” an: Fotografisch festgehaltene Bitumenlinien auf Gehwegen und Straßen fügt sie zu einer durchgehenden, von Brüchen geprägten Linie zusammen. Sie erzählen von Gebrauch, Abnutzung und der ständigen Anstrengung, Funktion aufrechtzuerhalten.
Wer dem Gespräch aufmerksam folgte, konnte am Ende erkennen, wie Pascal Heß die zunächst disparat wirkenden künstlerischen Positionen zu einem dichten Beziehungsgeflecht verwoben hatte – ganz im Sinne des Ausstellungsthemas “Über Brücken”. Im Anschluss nutzte das Publikum die Gelegenheit, die Ausstellung erneut zu besuchen oder bei einem Glas Wein und Häppchen weiter zu diskutieren. (BMM)
