
Einiges war neu bei diesem Poetry-Slam, der von der Hofheimer Kulturwerkstatt in Kooperation mit dem Kunstverein veranstaltet wird und mittlerweile fast schon zur sommerlichen Tradition geworden ist. Zum Beispiel das ganze Drumherum, das sich durch den zwangsweisen Umzug vom Alten Wasserschloss in die ehemalige Güterhalle am Bahnhof ergab, obwohl von dem großspurig angekündigten Umbau am Wasserschloss bis dato nichts zu sehen war – wir kennen das ja: “Hofem – Schlofem”. Der Poetry Slam wurde aber auch in der neuen Umgebung, in der sich fast 200 Zuschauer drängten, nicht zuletzt dank der Taunus Braumanufaktor, die für die Bewirtschaftung sorgte, ein voller Erfolg.
Neu war auch, dass Slammer-Urgestein Jan Cönig diesmal bei der Moderation von Robin Baumeister unterstützt wurde. Und hätten die beiden mit ihren zum Besten gegebenen Kostproben an einem Duett-Wettstreit teilgenommen, wäre ihnen der Platz auf dem obersten Siegertreppchen wohl kaum streitig gemacht worden. Was sich an der Lautstärke des Applauses ablesen ließ.
Ebenfalls neu war, dass diesmal fünf statt bisher vier Teilnehmer am wortgewaltigen Wettbewerb teilnahmen – allerdings, und das wiederum war nicht neu, in altbewährter Qualität. Ja, die Slammer machten es dem Publikum beim Bewerten diesmal sogar besonders schwer. Mit subtilem Wortwitz und ungewöhnlichen Formulierungen verband etwa Antonia Josefa politische und gesellschaftliche Kritik mit Sprachkunst und hätte ebenso gewinnen können wie Nora Solcher mit ganz ähnlichen Themen.
Lustiger ging es bei Mario el Toro mit seinem Lamento über Urlaub an der Nordseeküste zu, und Tim Kuppler trug schlaue und hörenswerte Gedanken über Internet-Bots und den Wert gemeinschaftlicher Ereignisse wie eines Poetry-Slams vor.
Am Ende gewann nach zwei Runden Anuraj Sri Rajarajendran mit anrührenden Vortrag über „echte Männer“, in die der verdiente Sieger auch seine persönliche Geschichte verpackte. ML
